Angst ist überall, auf der ganzen Welt. Ein aus Urzeiten stammender Schutzreflex, der in seinen Variationen unendlich erscheint. Ob klein, wie eine Spinne oder schnell, wie eine Atomrakete, ob groß, wie ein Hochhaus oder langsam, wie zähe Lava – alles, einfach alles kann angsteinflößend sein.
Was tun, wenn man in einer Gesellschaft aufwächst, in der es nahezu unmöglich ist seine Ängste zuzugeben ohne als Schwächling dargestellt zu werden? Männer kennen dieses Problem sicherlich. Der Kampf der Angst gegen den Stolz entspricht in ihrem Falle dem Kampf des Adrenalins gegen das Testosteron, meistens gewinnt natürlich das Testosteron. Eine Anmerkung für die XY-Träger: Jemand, der stark genug ist seine Schwächen und Ängste zuzugeben und dazu steht ist wirklich stark. Natürlich gilt das auch für die weibliche Fraktion, aber bitte liebe Frauen reitet nicht auf euren Ängsten herum, bis euch schwindelig wird, versucht der Ursache auf den Grund zu gehen, so könnt ihr beim nächsten Spinnenvorfall im Haus eurem Mann zeigen, wie stark ihr seid, indem ihr den kleinen Weberknecht auf eure Hand nehmt und ihn in die Freiheit entlasst. Frauen sind nach der allgemeinen Vorstellung Sklavinnen ihrer Ängste und Zwänge, soll heißen, dass sie nie etwas dagegen unternehmen, also bitte liebe Frauen, das lassen wir doch nicht auf uns sitzen.
Schon komisch, wie der Stolz beim männlichen Geschlecht den Angstabbau hindert und diesen Abbau beim weiblichen Geschlecht geradezu herausfordert.
Ein sehr heikles Thema ist die Angst der Kinder. Kinder mit Ängsten entwickeln Psychosen, die sie unter Umständen nie wieder in den Griff bekommen. Eltern sollten auf jeden Fall die Ängste ihrer Kinder ernst nehmen. Sei es auch nur ein Monster unterm Bett, für uns absolut irreal, für das Kind jedoch eine ernstzunehmende Bedrohung, also handelt und winkt nicht lächelnd ab, wie es schon der Großteil der Bevölkerung tut. Sobald Probleme auftauchen, die schwierig erscheinen, werden diese nur belächelt und in den Hintergrund gedrängt. Umweltverschmutzung? Atomare Abrüstung? Menschen die hungern? Alles völlig egal, es ist viel wichtiger am Samstag das Fegen des Trottoirs nicht zu vergessen, damit das so gut gepflegte Ansehen nicht sinkt.
Ich als Mitglied der weiblichen Fraktion kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass ich keine Angst vor Spinnen habe, solang sie nicht 15 cm groß und behaart sind. Meine Ängste ähneln denen der Kinder. Die Angst des Verlusts eines lieben Menschen und manchmal auch ein Monster unterm Bett machen mir sehr zu schaffen. Dagegen ist kein Kraut gewachsen – nebenbei, viele Menschen denken, dass es Mittel gegen Angst gibt, dies endet oft in einer Sucht, auf der anderen Seite gibt es auch chronische Angsthasen, die sich durch ihre Ängste so sehr einschränken, dass man ihr Leben kaum noch als solches bezeichnen kann. Meine Ängste werden nicht durch Tabletten oder Tees, Tropfen oder Tinkturen gelöst – meist reicht ein Telefonat mit den Liebsten oder das doppelte Abschließen meiner Tür aus, um das rasende Herz und den wirren Kopf wieder in Einklang bringen.


